Wie der Krieg 1945 nach Hüttenrode kam

 Chronisten des Dorfes

blättern in den historischen Unterlagen „Kriege in der Heimat“

Aus einem Bericht von Erika Gäbel

Erika Gäbel, Jahrgang 1932, wohnte 1945 in den „neuen Häusern“ Kampstraße Nummer 7. Sie erinnerte sich, dass deutsche Soldaten etwa am 10. April 1945 aus Richtung Thale durch das Johannisholz nach Hüttenrode kamen. Sie waren vor den Russen geflüchtet, liefen aber den Amis oft direkt in die Arme.

„In diesen Wochen gab es oft Fliegeralarm. Wenn die Kinder in der Schule waren, ging es dann in den Keller.

Auch beim Spielen, beispielsweise auf Meinerts Wiese, wurden die Kinder oft von Tieffliegern überrascht, die aus Richtung Nordhausen kamen. Verluste gab es nicht.

Am 19. April 1945 kamen die Amerikaner mit ihren Panzern aus Richtung Blauer See bzw. Kuhberg. Bei den Kampfhandlungen fielen viele deutsche Soldaten. Auch tote Pferde säumten den Weg. Ein amerikanischer Panzer stand an der Hauswand Nr. 7 in der Kampstraße, war von den deutschen Stellungen im Johannisholz zu sehen. 

Die deutsche Flak setzte zwei Treffer und beschädigte die Wohnung von Hermann Schulz. Weitere Treffer (abgefeuert aus Richtung Kuhberg) trafen die Wohnungen von Lierath (ebenfalls Nr. 7) und von Beckmann (Nr. 5 ganz oben, das Flurfenster wurde zerschossen).

In der Feldflur (hinter den Gärten hinter den „neuen Häusern“ Kampstraße) von Heinrich „Baumel“ Fischer (Reeken) hatten die Amerikaner Schützengräben ausgehoben, als Material nutzten sie Stall- und Gartentüren und auch Betten aus den Wohnungen. Die deutschen Bewohner hielten sich die ganze Zeit im Keller auf.

Die Bewohner des Unterdorfes wurden bei Fliegeralarm im Tunnel Braunesumpf untergebracht.

Es herrschte Ausgangssperre, die nach etwa zehn Tagen gelockert wurde.

Kurz bevor die Amerikaner kamen, wurden SS-Leute auf dem Grundstück Bleyer (Altenbraker Straße), die das Dorf bedingungslos verteidigen wollten, von deutschen Soldaten umgelegt. Damit wurde wahrscheinlich die größere Vernichtung unseres Heimatortes verhindert. Genaue Angaben kann jedoch niemand machen“.

Die Hüttenröder Orts-Chronisten haben die gesamte Geschichte aufgearbeitet. Diese Unterlagen sind nach telefonischer Anmeldung (03944-352627) ständig einzusehen. Erinnert wird zudem an eine Gedenktafel in der Blankenburger Straße, die nach der Wende von Gemeindedirektor Busse angebaut wurde. Ein fachlicher Fehler wurde leider bisher noch nicht entfernt. Eine offizielle Veranstaltung am 19. April 2025 gibt es in Hüttenrode nicht. Geschichtsinteressierte und heimatverbundene Bürger könnten sich am 19. April um 15 Uhr an der Gedenktafel in der Teichstraße treffen.

Ein Blick in die Hüttenröder Sportgeschichte

„Wir haben in den vergangenen Tagen und Wochen das Sportmuseum und den Hexenbungalow in Vorbereitung unseres Volleyball-Jubiläums auf Vordermann gebracht. Jetzt sind auch alle historischen Unterlagen einsehbar“, sagte Sport-Chronist Peter Gehlmann, seines Zeichens auch Verwalter und Gestalter des Sportgeschichts-Bungalows. In Gesprächen mit geschichtsinteressierten Bürgern wurde in die Hüttenröder Sportgeschichte geblickt. Dort ist unter anderem zu lesen:

1894 war der Arbeiter Turn-Verein Hüttenrode gegründet worden. Davon zeugt eine alte Postkarte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmten in unserem Heimatort vor allem Turner und Radfahrer das sportliche Geschehen, auch der Kampfsport und das Faustballspiel hatten hier ihre Heimstatt. Zudem gab es in den 1920er Jahren eine Kegelbahn mit zwei Bohlebahnen in der Teichstraße 18, auf der der Verein „Rollendes Glück“ seine Wettkämpfe austrug. Ob es sich dabei um Meisterschaftswettbewerbe handelte, ist nicht bekannt.

In den 1920er Jahren prägten Otto Vogeley, Richard Stein und Otto Ehrig das turnerische Geschehen.

1930 trug der Turnverein den Namen „MTV Turner-Brüderschaft“ Hüttenrode.

Er gehörte bis 1918 dem Arbeiter-Turnerbund und danach dem Arbeiter Turn- und Sportbund – Abteilung Harzgruppe an.

Zu dieser Gruppe gehörten 1929 ferner der Arbeiter-Sportclub Heimburg, Frisch auf Timmenrode, Frei heil Hasselfelde, Vorwärts Elbingerode, Freie Turnvereinigung Rübeland, MTV Benzingerode, MTV Cattenstedt, Frisch auf Rothehütte, MTV Neuwerk, MTV Tanne, MTV Timmenrode, MTV Wienrode und Turner-Brüderschaft Blankenburg.

Gruppenfeste mit allen Vereinen fanden in Hüttenrode 1927 und 1931 statt.

Im Turnverein gab es zudem einen Spielmannszug, der bis 1926 existierte.

Mit der Machtübernahme der Nazis wurde die Turnbewegung gespalten, fortan gab es zwei Turnvereine im Dorf.

Das war einmal der bekannte Arbeiterturnverein, der auf dem Saal von Christian Ilse seine Übungsabende abhielt und zum anderen der privilegierte Turnverein, der im Deutschen Haus turnte. Dessen Logo auf der Brust der Turner zeigte ein Hakenkreuz mit den Worten „Frisch – Fromm – Fröhlich – Frei“.

1927 fand in Hüttenrode ein großes regionales Faustballsportfest statt.

Schon 1920 hatte der Arbeiter-Turnverein „Brüderschaft“ Hüttenrode bei den Mannschaftswettkämpfen im Faustballsport einen 2. Preis gewonnen.

Zu den Aktiven zählten unter anderem K. Krüger, H. Fischer, E. Grüning, K. Schlimmer und R. Angerstein.

Faustball wurde von 1920 bis etwa 1933 in der Meine gespielt, das Spielfeld war 50 x 20 Meter groß.

In dieser Zeit wurde auch das Schlagballspiel organisiert, wahrscheinlich auf der heutigen Gänsewiese, denn das Spielfeld hatte eine Größe von 70 x 25 Meter. Organisator war Hermann Lierath.

Gespielt wurde mit Schläger (Fangholz) und Fänger, insgesamt pro Mannschaft 9 bis 12 Spieler, Spielzeit 3×20 Minuten mit einem Lederball von 7 Zentimetern Durchmesser.

1921 wurde in Hüttenrode der Arbeiterradsportverein „Sturmvogel“ erwähnt, 

Gründer bzw. Mitglieder waren die Gebrüder Wegener (Reeken), Friedrich Angerstein, Ernst Ecklebe, Fritz Pust, die Übungen mit vier Saalrädern fanden im Saal von Christian Ilse (Karl Rabe) statt.

Gute Beziehungen wurden zum gleichartigen Verein in Blankenburg unterhalten. Die Auflösung erfolgte etwa 1939.

Seit etwa 1925 bestand ein Athletikklub namens Eintracht Hüttenrode mit den Disziplinen Ringen, Gewichtheben und Fechten. Mitglieder waren August Rockstedt, Otto Reim, Fritz Rieche, Hermann Rodenstein, Alfred Trute und Karl Hoffmann.

Auch Prellball wurde bei uns gespielt.

„Gebolzt“ – also „unorganisiert“ Fußball gespielt – wurde in den Jahren vor dem 2.Weltkrieg.

Doch darüber und die Entwicklung des Fussballs, den Bau von drei Sportplätzen sowie die Volleyball-Turniere berichten wir im nächsten Sport-Teil.

Bild aus dem Sport-Archiv von Peter Gehlmann